leichtsinnige Gedanken
von stuekkwerk
Erst in der Dämmerung beginnt die Eule der Minerva ihren Flug und auch dann erst öffnen sich rasch die Bücher der Lesenden, als hätte man nur auf ein Kommando gewartet. Im kleinen Lichtschein, den die Lampe wirft, erkennen im Kontrast sich selbst die Lettern und erst dann ist Segen dabei, wenn man sich allerorts den Geschichten ergibt. Unwichtig: daß ein jeder aus andrem Grunde liest. Wer sich in den Schutz der Bettdecke hüllt, ist dem Urteil der anderen entrückt. Vielen, die sich verloren, geht die Geschichte noch eine Weile nach, aber das tut nichts, denn die Träume und die Geschichten verstehen sich gut, oder sind sich sogar in einem unbestimmbaren Grad verwandt.
Gut ist es, den Namen eines Schriftstellers zu hören, aber nichts damit anfangen zu können, auf lange Zeit sogar nicht. Vielleicht wird er, der längst deiner unmittelbaren Erinnerung Entfallene, vom Freunde erwähnt, du erfährst ein wenig mehr, machst dir eine Vorstellung. Es bildet sich ein Nebel aus eigenen Vorstellungen, der den Unbekannten umschließt und ihn erst dadurch in seinen Umrissen sichtbar macht. Der Klang des Namens erhält eine Bedeutung, bekommt den Geschmack von Ferne, ihn umwittert Ehrfurchteinflößenderes + mit jeder Begegnung + wächst der Einfluß des Hirngespinstes: in der Buchandlung, als Fußnote im Werke eines Andern, oder aber achtlos fallengelassen in einem Gespräch unter Freunden. Auch wächst die Übereinstimmung, der Zeitpunkt der Überschneidung rückt näher. Groß, mächtig, nichts kann an ihm mehr rühren.
Manches Buch liest man und sagt gleichsam mit dem letzten Worte sich, ohne noch einmal innezuhalten, los von ihm, verschenkt und verkauft oder vergisst es in einem der eigenen Regale. Anders sind die, die man mit sich herumschleppt, deren Komplizenschaft man notwendig findet, die man besser kennt vom Umschlag her oder Gewicht als vom Inhaltlichen.
